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Zwei neue Evangelienfragmente

herausgegeben und erklärt von Henry Barclay Swete, D.D., Professor Cambridge
Bonn: A. Marcus und E. Weber’s Verlag, 1908

   

   Im dezember 1905 entdeckten Dr. Grenfell und Dr. Hunt bei ihren ausgrabungen in Oxyrhynchus ein blatt aus einem kleinen pergamentbuch (88 × 7,4 cm**<note 1> auf dessen vorder- und rückseite 45 zeilen in griechischer unciale des IV oder V jahrhunderts standen. Das fragment, welches sich als teil eines unkanonischen evangeliums erwies, bringt einige neue züge. Die ersten zeilen enthalten den schluss einer rede, in der Jesus die jünger vor den wegen und dem ende der übeltäter warnt. Die szene spielt in Jerusalem, und nach beendigung seiner warnung betritt der herr, von seinen jüngern begleitet, die tempelvorhöfe. Hier tritt ihm, dass er den tempel durch unterlassen der üblichen reinigungsgebräuche entheilige. In seiner antwort betont Jesus die torheit solchen pochens auf äussere riten und stellt der zeremoniellen reinigung seine und seiner jünger reinheit gegenüber. Der gedanke entspricht im wesentlichen Mc 7,1 ff. Lc 11,37ff. Mt 23,25ff., aber die äusseren umstände sind verschieden, und die kontroverse mit den Pharisäern, die sich an den synoptischen stellen auf reinigung im täglichen leben bezieht, betritt hier den dornigen boden des tempelrituals.

   Zeigt unser fragment eine genaue kenntnis des tempels und seines rituals? Ortkenntnis beanspruchen die ausdrücke τὸ ἁγνευτήριον (z. 8, 13) ἐν τῇ λίμνῃ τοῦ Δανείδ (z. 25) δι᾽ ἑτέρας κλίμακος κατελϑὼν δι᾽ἑτέρας ἀνῆλϑον (z. 25f.), und bekanntschaft mit den reinigungsvorschriften behaupten z. 14ff., 24ff., 34. Beides ist von Schuerer bestritten, von Buechler (Jewish Quartelry Review, Jan. 1908) verteidigt worden. Schuerer hat in der Theol. Lit.Ztg. (14 märz 1908) geantwortet, aber man kann noch nicht sagen, dass die kontoverse einen ruhepunkt erreicht habe. Abgesehen von dieser frage wird das fragment warscheinlich in die erste hälfte des II jahrhunderts zu setzen sein. Sein literarischer /4/ character steht dem der synoptiker näher als dem des Petrusevangeliums oder der als apokryph bekannten evangelien. Der gebrauch der bezeichnung ὁ σωτήρ statt Ἰησοῦς oder ὁ κύριος spricht für entstehung im II jahrhundert, und während die lehre im allgemeinen die des synoptischen Christus ist, finden sich doch spuren eines anderen geistes z.b. in der verachtung, mit der die ganze klasse der πόρναι und αὐλητρίδες abgetan wird. Andererseits ist das fragment frei von der falschen rhetorik und den fabeleien der späten dichtungen und zeigt auch keinerlei spur von doketismus oder gnostischer tendenz. In manchen punkten erinnert es uns an das Hebräerevangelium, aber im ganzen ist sein ton und still davon doch verschieden; das Aegypterevangelium scheint zu einem völlig anderen typ zu gehören. Unser fragment dürfte demnach einem bisher unbekannten evangelium entstammen, dessen inhalt vermutlich traditionen darstellte, die in Aegypten während des auf die apostolische zeit folgenden vierteljahrhunderts verbreitet waren.

   Der folgende text beruht auf der editio princeps von Grenfell und Hunt: der herausgeber sagt diesen hervorragenden gelehrten und dem Council of the Egypt Exploration Fund seinen besten dank für die freundliche erlaubnis, ihre publikation frei benützen zu dürfen.

   Literatur (April 1908): B.P. Grenfell and A.C. Hunt (=GH) Oxyrhynchus Papyri vol. V n. 840, 1907; Fragment of an uncanonical Gospel 1908. A. Buechler in Jewish Quarterly Review Ja, 1908. E. Preuschen in Zeitschr. f. neut. Wiss. Jan. 1908. A. Harnack in Preuss. Jahrb. Febr. 1908. H. Lietzmann in Beil. z. alg. Zeitung 26. Feb. 1908. E Schuerer in Theol. Lit.-Ztg. 14. März 1908.

Note 1: Die grösse zeigt, dass das buch für den privatgebrauch bestimmt war; vgl. Joh. Chrysost. hom. de statuis XIX, 4 t. II p. 1977 e Montf. αἱ γυναῖκες καὶ παιδία μικρὰ ἀντὶ φυλακῆσ εὐαγγέλια ἐξαρτῶσι τοῦ τραχήλου (zitiert von Preuschen).

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TEXT
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πρότερον προαδικῆσαι πάντα σοφί-
ζεται. ἀλλὰ προσέχετε μή πως καὶ
ὑμεῖς τὰ ὅμοια αὐτοῖς πάϑητε· οὐ γὰρ
ἐν τοῖς ζῴοις μόνοις ἀπολαμβἀνου-
5
σιν οἱ κακοῦργοι τῶν ἀνϑρώπων ἀλλὰ [κ]αὶ
κόλασιν ὑπομένοθσιν καὶ πολ[λ]ὴν
βάσανον. Καὶ παραλαβὼν αὐτοὺς
εἰσήγαγεν εἰς αὐτὸ τὸ ἁγνευτἠριον καὶ
περιεπάτει ἐν τῷ ἱερῷ. καὶ προσε[λ-]
10
ϑὼν Φαρισαῖός τις ἀρχιερε`θς Δευ[εὶς]
τὸ ὄνομα συνέτυχεν αὐτοῖς καὶ ε[ἰπεν] /5/
τῷ σωτὴρι· Τίς ἐπέτρεψέν σοι πατ[εῖν]
τοῦτο τὸ ἁγνευτήριον καὶ ἰδεῖν [ταῦ-] τα τὰ ἅγια σκεὐη μἠτε λουσα[μ]έν[ῳ] μ[ή-]
15
τε μὴν τῶν μαϑητῶν σοθ τοὺς π[όδας βα-]
πρισϑἐντων; ἀλλὰ μεμολυ[μμένος]
ἐπἀτησας τοῦτο τὸ ἱερὸν, τ[όπον ὄν-]
τα καϑαρόν, ὃν οὐδεὶς ἄ[λλος εἰ μὴ]
λουσάμενος καὶ ἀλλά[ξας τὰ ἐνδύ-]
20
ματα πατεῖ, οὐδὲ ὁ[ρᾶν τολμᾷ ταῦτα]
τὰ ἅγια σκεύη. καὶ σ[ταϑεὶς εὐϑ`θς ὁ σωτὴρ]
σ[ὺν τ]οῖς μαϑηταῖ[ς αὐτοῦ ἀπεκρίϑη·]
Σὺ οὖν ἐωταῦϑα ὢν ἐν τῷ ἱερῷ καϑα-
ρεύεις; λἐγει αὐτῷ ἐκεῖνος· Καϑαρεύω· ἐλουσά-
25
μην γὰρ ἐν τῇ λίμνῃ τοῦ Δαυεὶδ καὶ δι᾽ἑτέ-
ρας κλίμακος κατελϑὼν δι᾽ἑτέρας
ἀ[ν]ὴλϑον, καὶ λευκὰ ἐνδύματα ἐτέ-
δυσάμην καὶ καϑαρά, καὶ τότε ἦλϑον
καὶ προσέβλεψα τούτοις τοῖς ἁγίοις
30
σκεύεσιν. ὁ σωτὴρ πρὸς αὐτὸν ἀπο-
[χρι]ϑεὶς εἶπεν· Οὐαὶ τυφλοὶ μὴ ὁρῶν-
τ[ε]ς· σὺ ἐλούσω τούτοις τοῖς χεομένοις
ὕ[δ]ασι(ν), ἐν οἷς κύνες καὶ χοῖροι βέβλην- [
ται] νυκτὸς καὶ ἡμέρας, καὶ νιψάμε-
35
[ν]ος τὸ ἐκτὸς δέρμα ἐσμήξω, ὅπερ [κα]ὶ αἱ πόρναι
καὶ α[ἱ] αὐλητρίδες μυρί-
[ζ]ου[σαι κ]αὶ λούουσιν καὶ σμήχοθσι
[καὶ κ]αλλωπίζουσι πρὸς ἐπιϑθμι-
[αν τ]ῶν ἀνϑρώπων, ἔνδοϑεν δὲ ἐκεῖ-
40
[ναι πεπλ]ήρω(ν)ται σκορπίων καὶ
[πάσης ἀδι]κίας. ἐγὼ δὲ καὶ οἱ [
μαϑηταί μοθ,] οὓς λέγεις μὴ βεβα-
[μμἐνους, βεγά]μμεϑα ἐν ὕδασι ζω-
[ῆς αἰωνίου τοῖς κα]τελϑοῦσιν ἀπὸ [τοῦ]
45
[[ϑεο῀θ ἐκ τοῦ οὐρανοῦ ἀλ]λὰ οὐαὶ [τ]οῖς . . .